Bohrzyklen Fanuc

- Rückzug auf Positionierebene mit G98 oder Referenzebene mit G99
- Bohrzyklus G73 - Tieflochbohren mit Spänebrechen
- Bohrzyklus G74 - Linksgewinde
- Bohrzyklus G76 - Feinbohrzyklus mit abheben von der Bohrungswand
- Bohrzyklus G81 - einfaches Bohren
- Bohrzyklus G82 - Bohren mit Verweilzeit am Grund
- Bohrzyklus G83 - Tieflochbohren mit Entspänen
- Bohrzyklus G84 - Rechtsgewinde
- Bohrzyklus G85 - Reiben
- Bohrzyklus G86 - Bohren mit Spindelhalt
- Bohrzyklus G87 - Rückwärtssenken
- Bohrzyklus G88 - Bohren mit Halt
- Bohrzyklus G89 - mit Verweilzeit für Reiben, Senken
- Bohrzyklus löschen G80
- Inhaltsverzeichnis Praxis
Im allgemeinen besteht ein Bohrzyklus aus einer Ablauffolge von Bewegungen, die mittels einer G-Funktion und Wertangaben definiert sind. In der Regel sind es 9 solcher unterschiedlichen Funktionen für verschiedene Bearbeitungssequenzen. Der Zyklus wird an jeder Position ausgeführt bis mit der Löschfunktion G80 der Zyklus aufgehoben wird. G80 ist zugleich Umschaltung auf Eilgang, ein G0 ist nicht nötig.

Der Ablauf eines Bohrzyklus ist folgender:
- Eilgang auf Position X/Y
- Eilgang auf die Referenzebene
- Umschalten auf Vorschub
- Bearbeitung in Z-Richtung gemäss Zyklus
- Rückkehr gemäss Zyklus auf die Referenzebene
- Rückzug im Eilgang auf Positionierebene, abhängig
   G99/G98

Die Bohrachse wird abhängig von der Ebenenanwahl G17-G19 bestimmt. Der Bohrzyklus kann sowohl mit G90 als auch G91 ausgeführt werden. Es ist aber dringend von der inkrementellen Anwendung abzuraten.

Ein Bohrzyklus kann folgenden Satzaufbau haben:

G90 G54 G43 G81 X120 Y10 Z-20 R2 F S1000 M3 H1

In diesem Satz wird absolut gewählt, die erste Nullpunktverschiebung aktiv, die Längenkorrektur positiv verrechnet, der Zyklus aufgerufen, auf X- Y und Z positioniert, die Spindel mit 1000 U/min gestartet und die Werkzeuglänge aus Offset-Nr. 1 gelesen und das Werkzeug auf die R-Ebene bewegt.

Die Adressen P und Q behalten ihren Wert solange ein Bohrzyklus aufgerufen wird.
Die R-Ebene und Z-Tiefe müssen in jedem Zyklus definiert werden, da es sich um modale Werte handelt.


Rückzug auf Positionierebene mit G98 oder auf Referenzebene mit G99
G98 ist Resetzustand, das heisst, das Werkzeug kehrt immer auf die Z-Position zurück wo es vor Aufruf des Bohrzyklus mit G0 positioniert wurde. Will man aber Zeit sparen, respektive ist kein Hindernis zu überqueren kann mit G99 das Werkzeug auf die Referenzebene zurückgezogen werden. Diese Referenzebene, auch R-Ebenen genannt, liegt in einem minimalen Abstand über dem Bohrloch, in der Regel in einer Distanz von 2mm.
Anfang
Meistens ist die Positionierebene auch die Werkzeugwechselstellung, also in maximaler Distanz zur Werkstückoberfläche. Es ist möglich abwechslungsweise für jede anzufahrende Position G98/99 vorzugeben, um nach Beendigung der Bohroperation auf der richtigen Höhe zu stehen. Um Zeit zu sparen wird man also logischerweise G99 einsetzen, damit das Werkzeug immer die kleinsten Wege in der Z-Achse zurücklegt. G98 oder G99 wird im gleichen Satz wie das Abheben nötig ist. Wird zwischen den Bohrzyklen das Werkzeug mit G0 auf eine neue Z-Position gebracht ist dies die neue Positionierebene für G98.
Bohrzyklus G73 - Tieflochbohren schnell
Aufruf: G73 X Y Z R Q F
Der Bohrzyklus wird solange ausgeführt, bis die Tiefe von der Referenzebene R bis Z zurückgelegt ist. Dazwischen schaltet die Steuerung nach jedem Inkrement Q einen kurzen Halt mittels abheben ein, damit das Werkzeug sich freischneiden kann.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G73 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
Q Zustellinkrement - Bohrtiefe, positiver Wert
F Bearbeitungsvorschub
Die Abhebedistanz nach dem Bohrinkrement Q wird in den Maschinendaten festgelegt.
Bohrzyklus G74 - Linksgewinde
Aufruf G74 X Y Z R F
Der Gewindebohrer wird entsprechend dem Vorschub F der Gewindesteigung mit linksdrehender Spindel auf die Tiefe Z. Die Spindeldrehrichtung wird umgekehrt und das Werkzeug fährt wieder auf die Referenzebene. Hier wird die Drehrichtung wieder auf Linkslauf geändert. Eine Vorschubkorrektur ist nicht möglich.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G74 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
F Bearbeitungsvorschub gleich Gewindesteigung
Bei Erreichen der Z-Tiefe wird die Spindeldrehrichtung geändert.
Bohrzyklus G76 Feinbohrzyklus mit Abheben
Aufruf G76 X Y Z R Q F
Das Werkzeug wird auf die Tiefe Z bewegt und bei Erreichen dieser wirt die Spindel orientiert angehalten. Die Spindel wird um den Betrag Q von der Bohrungswand abgehoben und auf die R-Ebene zurück gezogen und  wieder gestartet. Die Spindel steht vor der nächsten Positionierung wieder auf dem alten X/Y-Wert.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G76 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
Q Abhebebetrag von der Oberfläche, positiver Wert
F Bearbeitungsvorschub

Über Maschinendaten kann Q auch durch I und J ersetzt werden und gibt dann die Möglichkeit in verschiedenen Richtung abheben zu können.

Bohrzyklus G81 - einfaches Bohren
Aufruf G81 X Y Z R F
Das Werkzeug fährt mit Vorschub auf die Tiefe Z und wird anschliessend im Eilgang auf die R- oder Positionierebene zurückgezogen.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G81 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus G82 - Bohren mit Verweilzeit am Grund
Aufruf G82 X Y Z R P F
Das Werkzeug fährt mit Vorschub auf die Tiefe Z, die Bewegung wird um die Zeit P angehalten und  anschliessend im Eilgang zur R- oder Positionierebene fortgesetzt.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G82 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
P Verweilzeit in Millisekunden (1 Sekunde = P1000)
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus G83 - Tieflochbohren mit Entspänen
Das Werkzeug fährt um den Wert Q in das Werkstück, verweilt um eine vorgegebene Verweilzeit, kehrt im Eilgang auf die R-Ebene zurück, taucht auf die letzte Tiefe minus ein Sicherheitsabstand und fährt um das nächst Inkrement Q und diesen Sicherheitsabstand weiter. Der Zyklus wird so lange ausgeführt bis die Tiefe Z erreicht ist. Eine Berechnung der Schnittaufteilungen ist nicht nötig.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G83 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
Q Zustellinkrement - Bohrtiefe, positiver Wert
F Bearbeitungsvorschub
Die Sicherheitsdistanz kann über Maschinendaten voreingestellt werden.
Bohrzyklus G84 - Rechtsgewinde
Aufruf G84 X Y Z R F
Der Gewindebohrer wird entsprechend dem Vorschub F der Gewindesteigung mit rechtsdrehender Spindel auf die Tiefe Z. Die Spindeldrehrichtung wird umgekehrt und das Werkzeug fährt wieder auf die Referenzebene. Hier wird die Drehrichtung wieder auf Rechtslauf geändert. Eine Vorschubkorrektur ist nicht möglich.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G84 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
F Bearbeitungsvorschub gleich Gewindesteigung
Bei Erreichen der Z-Tiefe wird die Spindeldrehrichtung geändert.
Bohrzyklus G85 - Reibzyklus
Aufruf G85 X Y Z R F
Das Werkzeug fährt im Vorschub von der Referenzebene auf die Z-Tiefe und wieder zurück.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G85 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus G86 - Bohren mit Spindelhalt
Aufruf G86 X Y Z R F
Das Werkzeug fährt im Vorschub von der Referenzebene auf die Z-Tiefe, die Spindel wird unorientiert gestoppt und das Werkzeug wird im Eilgang zurückgezogen.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G86 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus G87 - Rückwärtssenken
Aufruf G87 X Y Z R Q F
Das Werkzeug wird im Eilgang um den Betrag Q von der X/Y-Position abgehoben, die Spindel orientiert angehalten, von der Positionierebene auf die Tiefe R bewegt und auf die XY-Position zurückgestellt. Die Spindel wird gestartet und im Vorschub auf die Z-Ebene zurück bewegt. Nach Erreichen der Z-Tiefe im Eilgang auf die R-Ebene zurück gefahren, die Spindel orientiert angehalten, abheben um Q, Rückpositionieren auf die Positionierebene, auf den alten X/Y-Wert bewegt und die Spindel gestartet.
Anfang
Bedeutung der Parameter:
G87 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
Q Abhebebetrag von der Oberfläche, positiver Wert
F Bearbeitungsvorschub

Über Maschinendaten kann Q auch durch I und J ersetzt werden und gibt dann die Möglichkeit in verschiedenen Richtung abheben zu können.
Achtung: die R-Ebene ist tiefer als die Z-Ebene!

Bohrzyklus G88 - Bohren mit Halt
Aufruf G88 X Y Z R F
Das Werkzeug fährt im Vorschub auf die Z-Tiefe und angehalten. Der Rückzug erfolgt im Handbetrieb!?! (JOG)

Anfang

Bedeutung der Parameter:
G88 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
P Verweilzeit in Millisekunden (1 Sekunde = P1000)
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus G89 - Reibzyklus mit Verweilzeit
Aufruf G89 X Y Z R F
Das Werkzeug fährt im Vorschub von der Referenzebene auf die Z-Tiefe, Verweilzeit P wird ausgeführt und fährt wieder zurück.

Für Flachsenken geeignet.
Anfang

Bedeutung der Parameter:
G89 Zyklusdefinition
X/Y erste Bohrposition
Z Bohrtiefe
R Referenzebene
P Verweilzeit in Millisekunden (1 Sekunde = P1000)
F Bearbeitungsvorschub
Bohrzyklus löschen G80 Nach Beendigung der Bohroperation muss der Zyklus zwingend mit G80 abgewählt werden, sonst wird nach jeder Verfahrbewegung ein Bohrzyklus ausgeführt.
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